Augendiagnose

Über Augendiagnose

Augendiagnose – eine Säule der naturheilkundlichen Diagnostik

Der Naturheilkundige Ignaz von Peczely

gilt heute unumstritten als Begründer dieser diagnostischen Methode.
Seine erste Veröffentlichung „Anleitung zum Studium der Diagnose aus den Augen“ stammt aus den Jahren 1880/81.
Schon die Hippokratiker in der Antike und bekannte Autoren aus dem Mittelalter wie Meyens und Hildegard von Bingen haben das Auge in die Diagnose mit einbezogen.
Sein großer Verdienst bleibt es aber, dieser Methode zu einer naturheilkundlich-wissenschaftlichen Grundlage verholfen zu haben.
Peczely hat zu seiner Zeit insbesondere die Regenbogenhaut (Iris) zu diagnostischen Zwecken genutzt; daher nannte er das Verfahren „Irisdiagnose“.
Bereits der Begründer der Augendiagnose hat bei seinen Studien die bis heute, von Ausnahmen abgesehen, für praktisch jeden Körperteil einen funktionellen Platz („Topographie“ = Organplatzlehre) in der Regenbogenhaut festgehalten.
Damit hat ein wissender Diagnostiker die Möglichkeit innerhalb dieser Organplatzlehre, die funktionelle Beschaffenheit der Organsysteme zu erkennen.
Als Naturheilkundiger hatte Peczely gar keine andere Wahl, das naturheilkundliche Denkmodell in die Augendiagnose zu übertragen. Daher muß es verständlich werden, daß man mit diesem Verfahren nicht etwa Diagnosen im rein klinischen Sinne stellen kann. Der Diagnostiker muß die Fähigkeit haben, die Zeichen der Regenbogenhaut in die gestörte Organtätigkeit zu übersetzen und kann sie erst dann einer klinischen Diagnose im Sinne der allgemeinen und speziellen Krankheitslehre annähern.

Besonders die Naturheilkundigen in Deutschland haben sich dieser Methode geöffnet und sie im Laufe der folgenden Jahrzehnte bis in unsere Zeit auf einen hohen Wissens- und Erkenntnisstand gebracht. Im Gegensatz zu Peczely, der nur die Regenbogenhaut betrachtet hat, werden heute die sogenannten „Adnexe“ – Bindehaut mit ihren Gefäßen, Augenlider, Lidränder, Wimpern und Augenbrauen – sowie die Pupille mit dem Pupillensaum und die Linse in die Diagnose mit einbezogen.
Man kann bestimmte Zeichen besser mit bloßem Auge oder einer Lupe mit vierfacher Vergrößerung, andere besser mit dem sog. Augendiagnosegerät mit einer bis vierzigfachen Vergrößerung beurteilen.

Was sieht und beurteilt man in der Augendiagnose?

1. Die Regenbogenhaut:
Im Wesentlichen besteht die Regenbogenhaut aus verschiedenen
Faserschichten. Diese besitzen eine gewisse Dichte, Struktur und Farbe; aus
Veränderungen von Farbe, Dichte und Struktur dieser Fasern entstehen
bestimmte Phänomene. Unterschiedliche Funktionsstörungen verursachen in
der Regenbogenhaut demzufolge auch entsprechend verschiedene Zeichen.

2. Die Pupille mit Pupillensaum und die Linse:
Im Normalfall ist die Pupille rund und besitzt einen wohlstrukturierten Saum
und eine bestimmte Größe im Verhältnis zur gesamten Regenbogenhaut.
Größenveränderungen und Verformungen der Pupille sowie des
Pupillensaumes lassen diagnostische Rückschlüsse hinsichtlich der
Vitalität und Nervenfunktion, aber auch der Wirbelsäulendynamik zu.
Von der Linse, die im Regelfalle durchsichtig und ungetrübt ist, erfährt der
Diagnostiker durch Eintrübungen neben Hinweisen auf Starbildung auch
Rückschlüsse auf den Wasser- und Mineralhaushalt des Menschen.

3. Die „Adnexe“:
Bei diesen anatomischen Anteilen, die in der Augendiagnose zwischenzeitlich
einen nicht unwesentlichen Anteil einnehmen, kann man Rückschlüsse ziehen
auf die Stoffwechselsituation, die Abwehrkraft, die Nervenkraft und auf die
Blutversorgung im Organismus.

 „Das Rezept aus dem Auge“:

Die alten Augendiagnostiker haben diesen Begriff geprägt.
Aus der Gesamtheit der gefundenen Zeichen und dem Wissen um das naturheilkundliche Denken ist der Augendiagnostiker in der Lage, ein individuelles Rezept für seinen Patienten zu erstellen mit dem Ziel, die einzelnen Funktionen zu normalisieren und den Gesamtorganismus zu harmonisieren.

Grundsätzliches zum naturheilkundlichen Denkmodell:

Die Naturheilkunde besitzt eine eigene Wissenschaftlichkeit. Diese unterscheidet sich vom rein universitären Modell durch Einbeziehung naturgesetzlicher Gegebenheiten.
Sie verbindet makro- und mikrokosmische Vorgänge miteinander. Es werden Funktionen im menschlichen Organismus verglichen mit elementaren Vorgängen in der Natur. Die Wirkprinzipien (Qualitäten) der Natur spiegeln sich wider in Säften („Körperflüssigkeiten“), Kräften und Funktionen im Menschen. Das Verhältnis dieser Trias wird im Auge erkennbar und diagnostisch verwertbar. Unter diesem Aspekt ist „Das Rezept aus dem Auge“ zu verstehen; die Naturheilmittel besitzen qualitative Wirkungen.

Jeder Mensch als Individualität besitzt eine ihm eigene gesamte körperliche Verfassung (Konstitution), örtliche Krankheitsneigung (Disposition) und Reaktionsweise (Diathese; die Art und Weise auf Krankheitsreize zu antworten).
Diese Bedingungen können von den Vorfahren ererbt oder auch selbst erworben sein. Dieses jedem Menschen eigene Gesamtkonzept ist im Auge sichtbar und mit entsprechenden Mitteln therapierbar.